Die Lage: Der Mangel entspannt sich – aber nicht überall
Laut den Szenarien des Bundesamts für Statistik (BFS) sinkt die Zahl der Schülerinnen und Schüler auf der Primarstufe zwischen 2025 und 2034 um rund 7 Prozent. Entsprechend geht der jährliche Bedarf an neuen Primarlehrpersonen von rund 5'000 im Jahr 2025 auf rund 3'000 im Jahr 2034 zurück. Ab 2032 dürften die neu diplomierten Lehrpersonen den Bedarf in fast allen Regionen decken.
Bis dahin bleibt eine Lücke: 2025 steht einem Bedarf von rund 5'000 neuen Primarlehrpersonen ein Angebot von rund 3'000 Neueinsteigenden gegenüber. Und die Entwicklung verläuft regional unterschiedlich. In der Nordwestschweiz, zu der das BFS auch den Kanton Bern zählt, könnten 2034 weiterhin rund 10 Prozent zu wenige neu diplomierte Primarlehrpersonen zur Verfügung stehen.
Auch einzelne Funktionen bleiben knapp. Mehrere Kantone melden, dass schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen weiterhin stark gesucht sind. Gleichzeitig sind andernorts deutlich weniger Stellen offen als noch vor zwei Jahren: Im Kanton Bern waren Ende Mai 2025 noch 188 unbefristete Volksschulstellen für den August ausgeschrieben, im Mai 2023 waren es knapp 500.
Für Schulleitungen verschiebt sich die Frage von «Finden wir überhaupt jemanden?» zu «Finden wir jemanden, der zu uns passt – und bleibt?»
Warum Passung wichtiger wird als Reichweite
Wenn wieder mehr Lehrpersonen zur Verfügung stehen, können auch sie stärker wählen. Sie vergleichen Schulen nicht nur nach Pensum und Anstellungsbedingungen, sondern nach Team, Führung und Haltung. Eine Schule, die klar zeigt, wofür sie steht, spricht Menschen an, die dazu passen. Eine Schule, die nur Pflichtangaben veröffentlicht, gibt Bewerbenden kaum einen Grund, sich gerade bei ihr zu melden.
Passung spart Aufwand. Jede Stelle, die gut besetzt ist, muss nicht nach einem Jahr wieder ausgeschrieben werden. Und eine Lehrperson, die bleibt, trägt Erfahrung und Beziehungen weiter – zu Kindern, Eltern und Team.
Die richtigen Lehrpersonen finden: vier Hebel
1. Wissen, wen Sie suchen
Beschreiben Sie nicht nur Stufe und Pensum, sondern auch, was jemand mitbringen sollte, um bei Ihnen gut anzukommen: Haltung, Zusammenarbeit im Team, Umgang mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen.
2. Zeigen, was Ihre Schule als Arbeitsplatz ausmacht
Eine Arbeitgebermarke macht sichtbar, wie es ist, bei Ihnen zu arbeiten: das Team, die Führung, die Unterstützung im Alltag. Echte Bilder und Stimmen aus dem Kollegium wirken stärker als allgemeine Versprechen.
3. Ein Stelleninserat, das filtert
Ein gutes Inserat bringt nicht möglichst viele Bewerbungen, sondern die richtigen. Es ist konkret, ehrlich und zeigt, was die Stelle besonders macht. Wie das geht, zeigt unsere Checkliste für Stelleninserate.
4. Sichtbar sein, bevor ausgeschrieben wird
Die Hauptphase der Stellenausschreibungen liegt zwischen Januar und Mai. Wer schon im Herbst sichtbar ist, erreicht Interessierte, bevor sie sich anderswo bewerben. Dafür eignen sich gezielte Kampagnen auf Google und Social Media.
Gute Lehrpersonen halten
Die meisten Lehrpersonen bleiben ihrem Beruf treu. Eine Längsschnittanalyse des BFS zeigt: Von den Lehrpersonen unter 55 Jahren, die 2015 unterrichteten, arbeiteten fünf Jahre später 90 Prozent noch an einer Schule. Bei den Jüngeren ist der Anteil jedoch tiefer: Von den unter 35-Jährigen waren nach fünf Jahren rund 80 Prozent noch an einer öffentlichen Regelschule, bei den 35- bis 55-Jährigen rund 84 Prozent.
Aufschlussreich sind auch die Zahlen aus dem Kanton Zürich: Von den Lehrpersonen, die im Schuljahr 2016/17 neu ins Zürcher Bildungswesen eingetreten sind, unterrichteten sieben Jahre später 31 Prozent nicht mehr im Kanton. Die ersten Berufsjahre entscheiden also mit, ob jemand bleibt.
Auch das Pensum spielt eine Rolle. Lehrpersonen mit weniger als zehn Lektionen waren nach fünf Jahren deutlich seltener noch an einer öffentlichen Regelschule (rund 70 Prozent) als solche mit über 20 Lektionen (rund 87 Prozent).
- Einstieg begleiten: Neue Lehrpersonen brauchen in den ersten Monaten eine feste Ansprechperson und Raum für Fragen, zum Beispiel mit Fachbegleitung.
- Führung, die trägt: Klare Rollen, Rückhalt bei schwierigen Gesprächen und echte Wertschätzung. Ein Leadership-Workshop hilft, das im Team zu klären.
- Ein Team, das zusammenarbeitet: Austausch und gemeinsame Vorbereitung entlasten im Alltag.
- Perspektiven bieten: Weiterentwicklung, Verantwortung und passende Pensen.
Mehr dazu im Artikel Gute Lehrpersonen halten.
So gehen Sie vor
- Standort bestimmen: Wie wird Ihre Schule heute wahrgenommen, von Eltern, Bewerbenden und dem eigenen Team? Der Schul-Check gibt eine klare Antwort.
- Ziele und Messgrössen festlegen: zum Beispiel Bewerbungen pro Stelle, Zeit bis zur Besetzung und wie viele neue Lehrpersonen nach einem Jahr noch da sind.
- Auftritt schärfen: Arbeitgebermarke, Karriereseite und Stelleninserate auf die Menschen ausrichten, die zu Ihnen passen.
- Einstieg und Führung stärken: neue Lehrpersonen begleiten, im Team Rollen und Zusammenarbeit klären.
- Wirkung messen: nach einem Schuljahr mit dem Ausgangswert vergleichen.
Quellen
- Bundesamt für Statistik (BFS): Szenarien 2025–2034 für die Lehrpersonen der obligatorischen Schule, 9. Oktober 2025. Zur Quelle
- EDK-Blog: Vom Lehrpersonenmangel zum Lehrpersonenüberfluss?, 29. Oktober 2025. Zur Quelle
- Bildung Schweiz: In der Schweiz fehlen weniger Lehrkräfte, aber der Mangel wirkt nach, 2. Juli 2025. Zur Quelle
- BFS: Längsschnittanalysen im Bildungsbereich – Verbleib der Lehrkräfte an der obligatorischen Schule, Oktober 2022. Zur Quelle
- Kanton Zürich, Bildungsdirektion: Beschäftigungssituation der Lehrpersonen in der Volksschule, April 2024. Zur Quelle