Wie lange Lehrpersonen bleiben
Lehrpersonen bleiben im Vergleich zu anderen Berufen lange im Beruf. Laut einer Längsschnittanalyse des BFS waren von den Lehrpersonen unter 55 Jahren, die 2015 unterrichteten, fünf Jahre später 90 Prozent noch an einer Schule tätig.
Genauer hingeschaut zeigt sich ein Muster: Jüngere Lehrpersonen bleiben seltener. Von den unter 35-Jährigen waren nach fünf Jahren rund 80 Prozent noch an einer öffentlichen Regelschule, bei den 35- bis 55-Jährigen rund 84 Prozent. Im Kanton Zürich verliessen 7 Prozent der Lehrpersonen das kantonale Bildungssystem bereits nach einem Jahr. Von den Lehrpersonen, die 2016/17 neu eingetreten sind, unterrichteten sieben Jahre später 31 Prozent nicht mehr im Kanton.
Die ersten Berufsjahre entscheiden mit, ob jemand bleibt. Hier lohnt sich die Aufmerksamkeit der Schulleitung am meisten.
Warum Lehrpersonen gehen
Die Gründe sind individuell. Manche liegen ausserhalb der Schule, etwa ein Umzug oder eine neue Familiensituation. Andere hat die Schule in der Hand: wie neue Lehrpersonen ankommen, wie Führung erlebt wird und wie das Team zusammenarbeitet.
Die allgemeine Stimmung ist dabei nicht zu unterschätzen: In der Berufszufriedenheitsstudie 2024 des Dachverbands LCH bewerten die Deutschschweizer Lehrpersonen ihre Arbeit insgesamt nur als «genügend». Viele Rahmenbedingungen kann eine einzelne Schule nicht ändern. Das Klima vor Ort aber schon.
Hebel 1: Den Einstieg begleiten
Neue Lehrpersonen stehen vor vielen Fragen gleichzeitig: Klassenführung, Elterngespräche, Abläufe, Erwartungen im Team. Wer in dieser Phase begleitet wird, kommt schneller an.
- Eine feste Ansprechperson vom ersten Tag an.
- Regelmässige kurze Gespräche in den ersten Monaten.
- Eine Einführung in Abläufe, Gefässe und Zuständigkeiten.
- Unterstützung bei schwierigen Gesprächen mit Eltern.
- Früh eine ehrliche, wohlwollende Rückmeldung.
Mit Fachbegleitung unterstützen wir neue Lehrpersonen persönlich im Schulalltag – als Ergänzung zur Begleitung durch das eigene Team.
Hebel 2: Führung, die trägt
Lehrpersonen bleiben dort, wo sie Rückhalt erleben. Das heisst: klare Rollen, verlässliche Entscheidungen, Unterstützung bei Konflikten und echte Wertschätzung. Schulleitungen stehen dabei selbst unter Druck. Umso wichtiger ist es, sich Zeit für die Fragen zu nehmen, die im Alltag zu kurz kommen – etwa in einem Leadership-Workshop mit Schulleitung und Kernteam.
Hebel 3: Ein Team, das zusammenarbeitet
Gemeinsame Vorbereitung, Austausch über Klassen und gegenseitige Unterstützung entlasten. Sie sorgen auch dafür, dass neue Lehrpersonen nicht allein bleiben. Ein Team, das zusammenarbeitet, ist zudem eines der stärksten Argumente in jedem Stelleninserat.
Hebel 4: Passende Pensen und Perspektiven
Das Pensum hängt mit dem Verbleib zusammen: Lehrpersonen mit weniger als zehn Lektionen waren nach fünf Jahren seltener noch an einer öffentlichen Regelschule (rund 70 Prozent) als solche mit über 20 Lektionen (rund 87 Prozent). Im Kanton Zürich lag der durchschnittliche Beschäftigungsgrad im Schuljahr 2023/24 bei 69 Prozent.
Fragen Sie nach, welches Pensum zur Lebenssituation passt, und bieten Sie Perspektiven: Verantwortung in Projekten, Weiterbildung, Entwicklung im Team.
Bindung sichtbar machen
Was man misst, bekommt Aufmerksamkeit. Halten Sie fest, wie viele neue Lehrpersonen nach einem Jahr noch an Ihrer Schule sind, und führen Sie bei Austritten ein offenes Gespräch über die Gründe. So sehen Sie früh, wo es hakt.
Bindung beginnt bei der Rekrutierung
Wer weiss, worauf sie oder er sich einlässt, bleibt eher. Ein ehrliches Stelleninserat und eine klare Arbeitgebermarke sorgen dafür, dass die richtigen Menschen kommen – und bleiben.
Quellen
- BFS: Längsschnittanalysen im Bildungsbereich – Verbleib der Lehrkräfte an der obligatorischen Schule, Oktober 2022. Zur Quelle
- Kanton Zürich, Bildungsdirektion: Beschäftigungssituation der Lehrpersonen in der Volksschule, April 2024. Zur Quelle
- LCH: Die Berufszufriedenheit 2024 der Deutschschweizer Lehrerinnen und Lehrer, 8. August 2024. Zur Quelle